Der verblüffende Zusammenhang zwischen Testosteron und Aggression

Dass der Begriff Testosteron von seiner Wortbedeutung her in unserer Gesellschaft sehr negativ belegt ist, merkst du schnell. Und zwar mit jedem Mal intensiver, wenn du den Begriff wiederholst. Kein Wunder, denn immerhin wird Testosteron nicht nur mit Männlichkeit und dicken Muskeln assoziiert, sondern auch mit Aggressivität und Gewalt gleichgesetzt.

Nicht umsonst spricht man vom „Testosteronbomber“ oder dem „testosterongeschwängerten Kneipenschläger“. Nun, vor diesem Hintergrund stellt sich natürlich die Frage, was an diesem Zusammenhang wirklich dran ist. Wie also steht es um das Verhältnis von Testosteron und Aggression? Die Wissenschaft hat Antworten.

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Ein Blick in die Tierwelt

Testosteron ist ein Hormon, das sowohl beim Menschen als auch bei den meisten Tieren direkt mit dem Aggressionspotential gekoppelt ist. Eigentlich könnte man daher von folgender einfachen Gleichung ausgehen: Je höher der Testosterongehalt im Blut eines Menschen oder eines Tieres ist, desto höher ist auch das Aggressionspotential des Lebewesens. So, oder so ähnlich jedenfalls. Das verdient in jedem Fall einen näheren Blick, um den Zusammenhang zu erläutern.

Schauen wir uns die Welt der Säugetiere an: Das Tier mit der mit Abstand höchsten Testosteron-Konzentration im Blut ist nach aktuellen wissenschaftlichen Ergebnissen der Schwarzbär. Dieser bringt es bei Messungen tatsächlich auf beeindruckende 6.000 Nanogramm Testosteron pro Deziliter Blut.

Allerdings wird dieser beeindruckende Spitzenwert nicht zu jedem beliebigen Zeitpunkt erreicht, sondern unmittelbar nach dem Winterschlaf – also, wenn der Schwarzbär salopp formuliert ziemlich katabol ist. (Zugegeben, das würde auch bei so manchem trainierenden Einiges erklären, wenn der Testosteronlevel so direkt wie vermutet mit dem Aggressionspotential verbunden wäre.) Aber Spaß beiseite.

Um einmal einen Vergleich zu schaffen: Der beim Menschen gemessene Höchstwert an Testosteron im Blut liegt im Durchschnitt bei etwa 1.100 Nanogramm pro Deziliter Blut. Aber macht die hohe Testosteronkonzentration den Schwarzbären wirklich aggressiver als andere Säugetiere? Gut, wer beim Campen im kanadischen Wald schon einmal einen wütenden Schwarzbären getroffen hat, der wird diese Frage ganz klar mit „ja“ beantworten. Alle Anderen verlassen sich aber besser auf die Wissenschaft. Und hier wird es ein wenig komplex:

Machen wir einen kleinen Szenenwechsel

Legen wir den Fokus nicht mehr auf Säugetiere, sondern beziehen einmal die ganze Tierwelt ein, dann sieht die Sache schon deutlich anders an. Nehmen wir als Beispiel den durchschnittlichen Testosteronwert von Fröschen und Salamandern. Gegen diese Amphibien sind selbst die wildesten Schwarzbären kleine Kuschelteddys, die mit rosa Tütü und Ballerina-Schläppchen durch den Wald schweben, während sie die sanfte Melodie des Schwanensees pfeifen.

Woran das liegt? Ganz einfach, Forscher haben in diesen Tieren eine Testosteronkonzentration gemessen, die meist zwischen 20.000 und 40.000 Nanogramm pro Deziliter Blut liegt. Das ist drei- bis sieben Mal mehr als bei ausgehungerten Schwarzbären und sogar 20-40 mal so viel wie bei uns Menschen. Und jetzt einmal ehrlich: Ist es dir schon einmal passiert, dass du bei einem Spaziergang an einem See von einer Horde wild gewordener Frösche angefallen wurdest, oder dass Campingplätze unter Heerscharen aggressiver Salamander leiden? Zumindest wir haben davon in der Zeitung noch nichts gelesen.

Und schon ist unsere schöne Gleichung „je mehr Testosteron, desto aggressiver“ hinfällig. Wie lässt es sich denn dann erklären, dass das Testosteron so direkt mit übersteigerter Aggression in Verbindung gebracht wird und so in der Bodybuilding-Szene geflügelte Worte wie „Roid Rage“ entstanden sind? Handelt es sich um Zufälle oder basieren diese Beobachtungen auf nachprüfbaren Fakten? Deutsche Forscher haben sich dieser Frage angenommen.

Die Konzeption der Studie

Die Wissenschaftler von der RWTH in Aachen luden zu ihrer Untersuchung 103 Männer zwischen 18 und 35 Jahren ein. Diese teilten sie in zwei Gruppen auf. Während eine Gruppe ein 5 Gramm Testosterongel mit einer Testosteronkonzentration von 50 Milligramm verabreicht bekam, erhielt die Vergleichsgruppe ein Placebo-Gel ohne aktive Wirkstoffe.

Nachdem die Männer das Gel unter Aufsicht eingenommen hatten, wurde diese gebeten, einige Runden eines speziellen Computerspiels zu spielen, wobei der Gewinner einer Runde immer Spielgeld als Belohnung erhielt, während der Verlierer Geld abgeben musste. Die Forscher ließen die Probanden der Studie in dem Glauben, dass sie jeweils gegen einen anderen Probanden der Studie antreten.

Um diese Illusion zu verstärken wurde jedem Spieler sein angeblicher Gegner vorgestellt, bevor beide Spieler in getrennten Räumen mit dem Spielen begannen. In Wahrheit jedoch spielten die Spieler mit manipulierten Computern gegen die Wissenschaftler.

Durch die Manipulation konnten die Wissenschaftler ganz genau steuern, in welchen Runden die Probanden Geld gewannen und in welchen sie Geld verloren. Die Spieler hatten während des Spiels darüber hinaus die Möglichkeit, ihre Gegner zu „bestrafen“ in dem sie sie verbal erniedrigten. Interessant ist hier der Punkt, dass das Erniedrigen des Gegners rein spielerisch überhaupt keinen Einfluss und dementsprechend für den Aggressor keinen Vorteil hatte.

Die Wissenschaftler nahmen diese „Angriffe“ als Indikator für Aggression und wollen wissen, ob das eingesetzte Testosterongel einen Einfluss auf den Einsatz dieser Spielmechanik hat. Ja zugegeben, das Spielen von Computerspielen ist nicht unbedingt die aufregendste Form, um den Zusammenhang zwischen Aggression und Testosteron zu erforschen. Aber es ist vom Versuchsaufbau her betrachtet vergleichsweise einfach. Immerhin wäre eine Live-Studie im Straßenverkehr mit gestellten Stresssituationen, die Aggressionen auslösen, die wesentlich aufwendigere und für die Allgemeinheit gefährlichere Variante.

Was die Forscher herausgefunden haben

Jetzt wird es interessant: Die Männer, die von den Forschern das mit Testosteron versetzte Gel erhielten, „bestraften“ ihren Gegner öfter als die Probanden der Placebo-Gruppe. Seltsamerweise tendierten auch die Probanden, die glaubten, Testosteron erhalten zu haben, auch dazu, ihre Gegner häufiger zu bestrafen, als dies in einem Test mit einer „normalen“ Vergleichsgruppe ohne Testosteron- und Placebogel der Fall war. Daraus zogen die Forscher folgende Schlüsse:

  • Die Einnahme von Testosteron erhöht den Aggressivitäts-Level einer Reaktion speziell in Situationen, in denen der soziale Status von Männern gefährdet ist.
  • Die Testosteroneinnahme an sich führt nicht per se zu einer ansteigenden Aggression, was sich mit den Erkenntnissen aus dem Tierreich deckt. Allerdings fördert die Einnahme eine „Wie du mir, so ich dir“-Reaktionskette (Tit for tat): Je höher das Provokationslevel, desto heftiger fällt die Reaktion, also in diesem Fall die Bestrafung des Gegenübers, aus. Je niedriger die Provokation, desto geringer die Bestrafungs-Reaktion.
  • Die neuronale Verarbeitung von Belohnungen und sozialer Bedrohung scheint sich unter dem Einfluss von Testosteron zu verändern.
  • Der Glaube daran, dass Testosteron potentiell aggressiv macht, scheint auch bei der Placebo-Gruppe zu einer Reaktion geführt zu haben, die auch ohne Erhöhung des Testosteronspiegels zu aggressiverem Verhalten führt. Allerdings war der Placebo-Effekt deutlich schwächer als der Effekt des echten Testosterons in der Vergleichsgruppe.

Was heißt das für dich?

Diese Studie bestätigt im Grunde genommen genau das, was die Erfahrung vieler Männer und allgemein der Gesellschaft vorgibt. Insbesondere Männer, die in einem sehr maskulinen Umfeld leben und arbeiten oder sich in sportlichen Wettkämpfen messen, haben ein gesteigertes Aggressionspotential. Diese einfache Regel entsteht unter anderem durch das evolutionäre Konkurrenzverhalten und ist eine Erklärung dafür, warum es sowohl im Gym als auch in Autowerkstätten und auf Baustellen oftmals eher forsch zugeht.

Unter dem Strich lässt sich damit auch sagen, dass Testosteronnutzer oder Männer, die auf ganz natürliche Weise einen hohen Testosteronspiegel von Natur aus auch nicht aggressiver sind als andere Männer. Sie reagieren allerdings deutlich empfindlicher auf Provokationen, die ihren Status infrage stellen.

Und genau an diesem Punkt gibt uns diese Studie doch wieder Futter für die These, dass Männer, die Steroide nehmen, per se leichter provozierbar sind und damit auch eher dazu neigen, in die Luft zu gehen. Es könnte also eine Art selbsterfüllende Prophezeiung sein, die so manchen Mann zum „Arschloch“ macht. Mit einer verbesserten Eigenwahrnehmung ließe sich dieses Problem jedoch wahrscheinlich eindämmen.

Also, wenn du zu den Trainierenden gehören solltest, die ihrem Testosteronspiegel auf unerlaubte Weise nachhelfen, erinnere dich daran: Du bist der Kapitän auf deinem Schiff und bestimmst, wo es lang geht. Ein hoher Testosteronlevel macht dich nicht automatisch aggressiv. Es ist in der Regel dein eigener Charakter.

Und was ist mit Frauen?

Da wir die ganze Zeit nur über Schwarzbären, Amphibien und das aggressive Verhalten von Männern unter Testosteroneinfluss philosophiert haben, wollen wir uns zum Schluss auch den Damen zuwenden. Welcher Zusammenhang besteht hier eigentlich zwischen Testosteron und Aggressivität? Interessanterweise hat man an der Lübecker Klinik für Neurologie eine Studie durchgeführt, bei der ein ähnlich provokatives Spiel zum Einsatz kam wie in unsere „Männer-Studie“.

Allerdings verabreichte man hier den Probandinnen kein Testosteron, sondern verglich lediglich die Ergebnisse der Frauen im Hinblick auf die Höhe des individuellen Testosteronspiegels. Zur Verifikation erfassten die Wissenschaftler mit Hilfe eines Magnet-Resonanz-Tomographen die Gehirnaktivität. Erstaunlicherweise wurde hier der bei Männern erkennbare Zusammenhang zwischen Testosteron und Aggression ins Gegenteil verkehrt.

Denn die Frauen mit einem höheren Testosteronspiegel reagierten insgesamt deutlich weniger aggressiv als Frauen mit niedrigem Testosteronspiegel. Damit werden Studien bestätigt, die bei Frauen einen pro-sozialen Einfluss von Testosteron vermuten. Welche Mechanismen dabei genau im Spiel sind, ist allerdings noch nicht bekannt.

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